Es ist an der Zeit Euch wieder einmal etwas von unserer Reise zu erzaehlen.
Am 30. August erreichen wir gegen Mittag die Grenze zu PERU. Der Grenzuebertritt verlaeuft schnell, unkompliziert und was uns besonders freut, ohne jegliche Kosten. Wir bekommen ein halbes Jahr, aber Knuffi darf nur 3 Monate bleiben. Es waere aber kein Problem bei jeder Zollstelle eine Verlaengerung zu bekommen. Wir hatten den Grenzuebergang Macara gewaehlt, da unser Reifenproblem noch immer ungeklaert war und wir hofften in den groesseren Staedten hinter der Grenze fuendig zu werden. Aber leider Fehlanzeige und so beschliessen wir unsere Reise mit den „alten“ Reifen fortzusetzen.
Einen ersten Stopp legen wir in Lambayeque ein. Im neuen Museum „Tumpas Reales de Sipán“ erfahren wir anschaulich von der Mochica – Kultur. Hoehepunkt der Besichtigung ist eine originalgetreue Nachbildung des Grabes des Herrschers von Sipán mit den vielen Grabbeigaben. Mit dem Herrscher wurden drei junge Frauen und zwei Mochica - Krieger oder Priester und ein etwa 10jaehriger Junge begraben. Leider gab es in dem neuen modernen Museum nur Erklaerung in Spanisch. Wir wollen uns anschliessend den Fundort der Graeber ansehen und fahren ueber eine gute Piste nach Sipán, wo wir unseren Knuffi im Hof der Hosteria „Señor de Sipan“ kostenlos abstellen duerfen. So sind wir am naechsten Morgen die ersten Besucher und koennen nach Lust und Laune durch die Anlage streifen.
Nachdem wir die gaehnende Leere in unserem Kuehlschrank beseitigt haben, machen wir uns auf in Richtung Chachapoyas. Wir waehlen die noerdliche Piste über Jaen. Immer wieder gibt es Mautstellen, an denen wir gefragt werden wohin wir wollen aber Maut wird keine kassiert. Die Haeuschen sahen sehr neu aus, vielleicht Probebetrieb?! An den vielen Strassenbaustellen warten wir nie laenger als 20 min. und immer ist Zeit fuer ein kleines Schwaetzchen. In Pedro Ruiz finden wir nach 3 Tagen Gebirgsfahrt an der Tankstelle einen sicheren Schlafplatz. Der Tankwart sieht uns erstaunt an als wir ihm das naechste Ziel unserer Reise nennen. „Aber die Strasse nach Chachapoyas wird doch ausgebaut und vor drei Tagen wurde ein Teilstueck gesprengt, so dass kein Durchkommen ist. Die Strasse ist, wenn die Leute schnell sind, in 3 Wochen wieder befahrbar. Ihr kommt nur ueber Cajamarca hin!“ Andere LkW-Fahrer bestaetigen kopfnickend die Auskunft des Tankwarts und sehen uns mitleidig an. Aber das kann doch nicht sein? Wir hatten doch an jeder Mautstelle gesagt wohin wir wollen. Wir probieren es deshalb doch am naechsten Tag. Wenige Kilometer hinter Pedro Ruiz taucht eine Schranke auf und man erklaert uns freundlich, dass die Strasse wegen der Bauarbeiten nur zu bestimmten Zeiten geoeffnet ist. Na bitte! Wir warten nur ½ Stunde und vor bzw. hinter uns stehen ja jede Menge LKW und Busse. Der Verkehr schlaengelt sich problemlos durch die Baustelle, kurze Wartezeiten sind kein Problem. Bis Chachapoyas sind es hoechstens noch 3 km. Stopp! Nichts geht mehr. Die Straße ist vollstaendig gesperrt und es sieht so aus als ob man sich hier für laengere Zeit darauf eingerichtet hat. Die Buspassagiere machen sich zu Fuss ueber einen Eselspfad auf in die Stadt und die Gueter werden auf Tragetiere verladen. Da stehen wir nun unglaeubig das Geschehen beobachtend. Unseren Knuffi koennen wir nicht verladen also bleibt nur der geordnete Rückzug.
Und wieder machte sich ein merkwuerdiges Geräusch bemerkbar und so richtig „Fahrt machen“ koennen wir auch nicht. In Lambayeque suchen wir eine Iveco-Werkstatt auf. Dort stellt man fest, dass die Aufhaengung vom Getriebe abgerissen ist. Aber auch nachdem diese geschweisst ist, ist das Geraeusch noch deutlich zu hoeren. Der Meister ist ratlos. Wir rufen in Österreich bei unserem Mechaniker Herrn Christ an: „Das klingt nach Getriebeschaden aber um Genaueres zu sagen muss dieses ausgebaut werden. Fahrt so wenig wie moeglich, am besten gleich in eine Fachwerkstatt:“ Wir beschlossen auf kuerzestem Weg nach Lima zu fahren. Am Ortseingang von Chiclayo entdeckt Michi eine grosse Reifenwerkstatt an einer Tankstelle. Vielleicht haben die ja unsere Reifengroesse, denn wir brauchen ja dringend neue. (Wir fuhren schon wieder mit dem Ersatzreifen). Gesagt, getan! Und wir hatten wirklich Glueck! Beilaeufig erwaehnt Michi unser Getriebeproblem und ob es hier eine kompetente Werkstatt gaebe. Telefonisch wird Mario herbeigerufen. Als das Getriebe ausgebaut und auseinandergenommen ist, sehen wir die Bescherung! An einem Zahnrad fehlen mehrere Zaehne! Da wir kein Risiko eingehen wollen, ordern wir die Ersatzteile bei Herrn Christ. Was nun folgt, sind ueber 4 Wochen warten und hoffen. An der Grifo San Antonio sind alle sehr nett und hilfsbereit, auch dass wir 1/3 des Werkstattgelaendes beanspruchen wird ohne Murren hingenommen. Und jeden Tag dieselbe Frage: Habt Ihr Eure Teile? Nach 5 Tagen treffen diese in Lima bei DHL ein, das koennen wir am Computer verfolgen. Angeblich sollen sie beim Zoll liegen, der die Gebuehren festlegt. Aber in dessen Computer ist das Paket nicht zu finden und DHL weis von Nichts! Erst ein kleiner Aufstand bringt Bewegung in die Sache. Ploetzlich ist das Paket da, aber die Rechnung falsch. Wir lassen die Rechnung umschreiben und nun ist sie zwar fuer den Zoll richtig, aber das hat zur Folge dass nicht wir sondern die Schwiegermutter unseres Sohnes (die uns ihre Adresse als Lieferanschrift zur Verfuegung gestellt hatte) die Empfaengerin der Ersatzteile war und somit Zoll faellig wurde. Aber nicht dieser Zoll trieb den Rechnungsbetrag in die Hoehe sondern die Lagergebuehren (!!!) von DHL!!!! Wir waren schon langsam zu einem Bestandteil der Tankstelle geworden und sind froh als die Teile da sind, passen und wir nach ueber einem Monat davon rollen konnten.
Die Zeit laeuft uns weg, stehen wir doch am Beginn der Regenzeit. Trotzdem machen wir uns erneut auf den Weg nach Chachapoyas, diesmal ueber Cajamarca. Dort erholen wir uns bei einem Bad in den „los banjos del incas“. Wie der Name verraet wussten schon die Inkas um die wohltuende Wirkung des Wasser aus den Thermalquellen und auch uns tut es gut.
Ueber Celendin und Balsas gelangen wir auf engen, kurvereichen Gebirgspisten nach Leimebamba. Da der Gegenverkehr schon von weitem zu sehen ist, halten wir immer an einer der zahlreichen Ausweichstellen und geniessen dort die atemberaubende Sicht auf die Berge und die tiefen Taleinschnitte. Knuffi hatte ordentlich zu klettern, geht es doch staendig auf und ab (von 800m auf 2600 und umgekehrt, hoechster Punkt bei 3680m). In Leimebamba besuchen wir das gut gestaltete und interessante Museum. Durch die sachkundige Fuehrung (im Eintrittspreis enthalten) erhalten wir die richtige Einstimmung auf unsere weiteren Ziele. Wir versuchen hinter das Geheimnis der „Quipus“ zu kommen. Mit den Knotenschnueren, die zum einen Kalender aber vor allem Zaehl- und Rechengeraet der Chachapoya und spaeter der Inkas waren, erfassten diese zB. Viehbestaende, Ernteertraege, geleistete Steuern aber auch Bevoelkerungszahlen. Eine Freude fuer jeden Statistiker. Wir bestaunen auch die gut erhaltenen Mumien und Grabbeigaben aus Vorinka- und Inkazeit.
Wir steuern danach als erstes Kuélap an. Auf der Wiese, die als Parkplatz dient können wir sicher und ruhig uebernachten. Am Morgen machen wir uns dann auf den Weg. Die 2km bis zum Eingang sind schnell geschafft und obwohl die Besucherzahlen aus dem Reisefuehrer schon lange ueberholt sind, koennen wir die Anlage in Ruhe ausgiebig erkunden.
Am Nachmittag des folgenden Tages erreichen wir Cruzpata. Wir stellen Knuffi auf die Wiese vor der Schule ab und steigen hinab zu den Sarkophagen von Karajía. Diese Steinstatuen thronen in einer Felswand und blicken in die Weite des Landes. In ihnen fand man Mumien in Hockstellung. Es ist ein Ort mit einer besonderen schwer zu beschreibenden Atmosphaere, der uns in seinen Bann zieht. Jeynee, ein junger Mann, schliesst uns das kleine Museum im Dorf auf. Leider fehlen hier die Mittel, so dass die Exponate dem Verfall preisgegeben sind! Natuerlich ziehen wir die Aufmerksamkeit der Kinder des Ortes auf uns und sie freuen sich ueber den Kuchen den wir mit ihnen teilen, genauso wie über das Foto was Michi schiesst! Auch hier haben wir eine ruhige sichere Nacht!
Die Stadt Chachapoyas besuchen wir nur kurz um zu tanken und mal endlich wieder Verbindung mit den Lieben daheim via Internet aufzunehmen. Und weiter geht unsere Fahrt durch die Geschichte Perus nach Revash. Schon von der Strasse aus sehen wir die kleinen Haeuschen im Fels. Auch das waren Begraebnisstaetten der Chachapoya. So mit ihren Ahnen verbunden, glaubten die Dorfbewohner im Tal, dass sie von diesen beschuetzt wuerden. Fuer den weiteren Weg nach Sueden muessen wir erst einmal bis Cajamarca die gleiche Strasse zurueck. Das ist kein Problem, denn von dieser Seite wirkt die Strecke ganz anders. Wie fahren vorsichtig und langsam, hatten uns die Einheimischen mehrfach vor den riskanten Ueberholmanoevern der LkW- und vor allem Busfahrer gewarnt. Mit unserer Taktik langsam und rechtzeitig auf einen Ausweichplatz zu stellen, fahren wir gut und sicher.
Auf dem Rueckweg taucht zwischen Leimebamba und Celendin ein gelbes Mercedes – Expeditionsmobil im Rueckspiegel auf. Jean, Stefanie und ihre 4 Kinder sind in derselben Richtung wie wir unterwegs und so legen wir ein kleines Stueck des Weges gemeinsam zurueck.
In Cajamarca stellen wir uns auf den schon bekannten Platz an die Therme „banjo del incas“ Am naechsten Morgen fahren wir auf unbekannter Piste Richtung Cajabamba und von dort nach Patáz. Wir haben zwar nun Mitte Oktober und es hat erste vereinzelte Regenfaelle gegeben, aber trotzdem hoffen wir den "Parque Nacional Río Abiseo" mit den Chachapoya-Ruinen "Gran Patajén" besuchen zu koennen. Patáz ist ein verschlafenes Goldgraebernest, wo noch heute in kleinen privaten Mienen nach dem Edelmetall gegraben wird. Nach vielen Fragen finden wir das Besucherzentrum des Nationalparks, was gleichzeitig Buero des „Instituto Nacional de Recursos Naturales“ (INRENA) ist und mit Mitteln der KfW-Bank aufgebaut und betrieben wird, wie eine Marmortafel am Eingang berichtet. Adrian, ein Mitarbeiter, erklaert uns, dass es fuer Touristen keinen Zugang zu dem Weltkulturerbe „Gran Patajén“ gibt. Nur Wissenschaftlern sei der Zutritt gestattet. So schnell wollen wir nicht aufgeben, zumal wir per Mail und unsere Schwiegertochter Carolina bei einer persoenlichen Vorsprache bei INRENA in Lima, die Auskunft erhalten hatten, dass der Zutritt nach schriftlichem Antrag und dessen Genehmigung kein Problem sei. Aber nach einem Telefonat mit dem verantwortlichen Coordinator in Lima kam erst einmal das (vorlaeufige) Ende des Abenteuers „Gran Patajén“. „Keine Touristen! Man wolle keinen Massentourismus wie in Machu Picchu!“ Laecherlich! Im ausliegenden Besucherbuch (Einschreiben Pflicht!) waren seit der Eroeffnung 2006 vier franzoesische Staatsbuerger als einzige auslaendische Gaeste eingetragen. Diese und auch die Peruanischen Gaeste waren ausschliesslich Tagesbesucher! Und bis hierher sind es 5 beschwerliche Anreisetage von Cajamarca und dann waeren es noch einmal mindest 3 Tage zu Fuss mit einheimischen Fuehrer gewesen! Letztes Argument war: Es sei alles ueberschwemmt! Wir waren Vorort und da war alles trocken?! Enttaeuscht und auch mit einer gehoerigen Portion Wut im Bauch setzen wir unseren Weg Richtung Lima fort.
Unterwegs stehen noch die Ruinen von Chan Chan auf unserem Plan. Zuerst ging’s in die eigentliche Stadt, die in ihrer Bluetezeit die groesste Suedamerikas war. Edith bietet sich als Fuehrerin an erzählt uns das, was wir schon im Reiseführer gelesen haben und ansonsten spricht die Anlage fuer sich selbst. Mit ein paar Vorkenntnissen und ein wenig Phantasie stellen wir uns das Leben in dieser untergegangenen Stadt, im Wuestensand, umgeben von Adobemauern, vor. Das Museum und „Huaca Esmeralda“ besuchen wir, weil beides mit dem Kombiticket bezahlt ist, ab es hat nicht einmal das Aussteigen gelohnt!
Von der groessten fahren wir zur aeltesten Stadtanlage Amerikas: nach Caral. Hier entwickelte sich die aelteste Hochkultur Amerikas, unabhaengig von Mesopotamien und Ägypten und noch vor den Kulturen in Asien und Europa. Ein Fuehrer ist Pflicht und im Eintrittspreis enthalten. Wieder finden wir eine maechtige Stadtanlage im Wuestensand vor. Diesmal nicht aus Adobeziegeln erbaut, sondern aus Steinen der umliegenden Berge. Durch unseren Guia und die sehr informativen Tafeln, in Englisch und Spanisch, erfahren wir viel ueber Leben, Kultur und Glauben der Menschen vor 5000 Jahren.
Die Zeit in Lima nutzten wir vor allem die Verwandtschaft unseres Sohnes wieder zu sehen. Die Stadt hatten wir, genau wie Nasca, Machu Picchu, Cusco und Pisco schon vor 2 Jahren erkundet. Wir nutzen die Gelegenheit nochmals INRENA persoenlich aufzusuchen und um Missverstaendnissen wegen evtl. Sprachprobleme vorzubeugen, begleitet uns unsere Schwiegertochter Carolina, die gerade in Lima ist. Nun sprechen wir Señor Panduro von Angesicht zu Angesicht. Unsere Hartnaeckigkeit bringt sein striktes „No“ ins Wanken und er verspricht einen Besuch von Gran Patajén und Vilcabamba Viejo Espiritu Pampa (ein Staette im Sueden Perus, fuer die wir auch eine Genehmigung von INRENA brauchen) zu erlauben, wenn die nationale Archaeologiebehoerde, mit Sitz im Nationalmuseum, zustimmt. Nach kurzer Wartezeit koennen wir dort unser Anliegen dort vorbringen und werden natuerlich auch nach dem Grund gefragt, nur Interesse reicht nicht. Als wir andeuten, dass wir fuer eine Zeitung berichten (was ja nicht gelogen ist), kommt Bewegung in die Sache. Wir muessten unserem Antrag nur den Auftrag der Zeitung incl. spanischer, beglaubigter Uebersetzung und ein paar andere Papierchen einreichen und nach 5 Tagen haetten wir dann einen Bescheid. Wenn wir Fotos machen wollten koste das noch einmal extra und diese muessten der Behoerde dann vorgelegt werden. Da nun sowieso Regenzeit ist in Gran Patajén vertagen wir das Thema auf das Frühjahr 2009. Einmal in der Hauptstadt wollen wir bei der dt. Botschaft fragen, ob und wie wir unseren gezahlten Zoll auf die Ersatzteile wiederbekommen koennen. Wir wurden eines besseren belehrt. „Da könne ja jeder x-beliebige Tourist kommen und etwas wollen“, war neben der Aufforderung zu gehen, die einzige „Auskunft“ die wir erhielten. „Die dt. Botschaft hat hoheitliche Aufgaben zu erfuellen und ist nicht fuer Privatreisende zustaendig“!!!!! Michi war am ausrasten und konnte sich nicht verkneifen der Buerovorsteherin mitzuteilen, dass sie von unseren (reichlich gezahlten) Steuern bezahlt wird!
Ende Oktober machen wir uns auf in Richtung Sueden. Langsam wird die Zeit knapp. Nicht fuer uns, wir haben ja 6 Monate Aufenthalt bekommen, aber unser Auto nur ¼ Jahr. Eine Verlaengerung im Lande, sprich Lima, war nicht moeglich. „Verlaengern“ kann man nur indem man zumindest die Papiere ueber die Grenze bringt und wieder einreist. Und wir wollten noch soviel sehen! Ueber Pisco und Nazca, was wir aus oben beschriebenen Gruenden links liegen lassen, gelangen wir innerhalb von 3 Tagen nach Cuzco. Von Helge wussten wir vom Campingplatz „Quinta Lala“, den wir als erstes ansteuerten. Bei Helmie und seiner Frau finden wir, wie viele vor uns und hoffentlich noch viele nach uns, nicht nur freundliche Aufnahme und einen sicheren, ruhigen Standplatz, sondern auch eine heisse (!) Dusche, eine Waschmaschine und Wireless. Wir treffen auch Gleichgesinnte, die so manchen guten Tipp fuer uns haben. Auch von Helmie erhalten wir gute Ratschlaege. So erfahren wir zB. dass er keine Genehmigung fuer Espiritu Pampa brauchte als er vor einiger Zeit dort war. Er ermunterte uns, es einfach zu versuchen.
So machen wir uns auf die Raeder. Auf der geteerten Panoramastraße gelangen wir nach Ollantaytambo. Auch diese sehr sehenswerte Festungsanlage hatten wir schon vor 2 Jahren besichtigt. Nach dem Ort geht die Strasse in Piste bzw. Teerstrasse mit so grossen und zahlreichen Schlagloechern ueber, das wir Angst haben, dass Knuffi darin verschwindet. Bei Sonnenuntergang erreichen wir Quillabamba und es gestaltet sich dann schwierig einen Schlafplatz zu finden. Ein Werkstattbesitzer hat dann doch Mitleid mit uns und laesst uns auf seinem Hof stehen. Aber am naechsten Morgen muessen wir um 6.00 Uhr raus, da der normale Arbeitstag beginnt und die ersten Kunden schon vor der Tuer stehen. Kein Problem, wir haben ja einen weiten Weg vor uns. Zum Fruehstueck stellen wir uns ans Ufer des Río Urubamba . Da unsere Karte denkbar schlecht (stellenweise falsch) ist und es keine Wegweiser gibt, fragen wir vorsichtshalber nach in Kiteni. Eine unbestimmte Handbewegung und ein gemurmeltes „Geradeaus“ eines jungen Mannes liesen uns einen schmalen steilen Pfad einschlagen. Nach 1 ½ Stunden Fahrt und nur 10km kam uns die Sache spanisch vor und so fragte Michi nochmals. Und natuerlich waren wir falsch! Also zurueck nach Kiteni und das „Geradeaus“ (derecho) erwies sich als rechts (derecha)! Nach einer Bruecke am Ortsausgang stehen wir wieder vor der Entscheidung und Michi haelt aus Ermangelung anderer Gelegenheiten einen entgegenkommenden Bus an. Und welch Zufall, ein Fahrgast stuerzt nach vorn und sagt, dass er (anders als der Fahrer) den Weg kenne und er uns gern hin fuehren wuerde, da sein Heimatdorf an der Strecke liege! So war uns allen geholfen Er brauchte nicht zu laufen und wir wussten, dass wir nun richtig sind. Gegen 18.00 Uhr erreichen wir sein Dorf Chuhuanquiri und da es dunkelt beziehen wir am zentralen Sportplatz unser Quartier für die Nacht. Auf zT. abenteuerlichem Weg gelangen wir am folgenden Morgen nach nur 1 Stunde nach Azul Mayo. Hier endet fuer uns, wie für die Camionettas, die Strasse und weiter geht es nur zu Fuss. Interessiert wird unser Auto von den Einheimischen beaeugt und gleichzeitig der Weg erklaert, der ganz leicht zu finden sein soll. Unsere Rucksaecke tragen wir selbst. Endlich mal wieder wandern. Was fuer uns ein Vergnuegen ist, ist fuer die Anderen Alltag. Es gibt keine andere Moeglichkeit um in die kleinen Doerfer zu gelangen. Die breite Strasse endet abrupt und geht nach einer schmalen Bruecke in einen engen Pfad ueber. Den Weg koennen wir nicht verfehlen, da es zum einen an den wenigen „entscheidenden Gablungen“ Hinweisschilder gibt und uns zum anderen jeder Einheimische, auch die Schulkinder (!!), mit Handschlag (!) begrüsst, mit uns schwatzt und uns schliesslich ausfuehrlich den Weg erklaert. Immer wieder hoeren wir den roten Felsenhahn, aber leider ist er so scheu, dass wir ihn nicht fotografieren koennen. Am fruehen Nachmittag erreichen wir die Ortschaft „Espiritu Pampa“ und koennen auf der Wiese vor dem Gemeindehaus unser Zelt aufschlagen. Ein grosses Willkommensschild der INRENA prangt am Eingang. Aber es wird keinerlei Genehmigung von uns verlangt, nicht einmal Eintrittgeld. Wir muessen uns nur in das obligatorische Gaestebuch eintragen. Als wir uns neben Huehnern haeuslich eingerichtet haben, unternehmen wir einen ersten Spaziergang zu den Ruinen. Wieder einmal haben wir die Anlage ganz fuer uns allein, wie auch am naechsten Tag als wir uns daran machen die Anlage zu erforschen. Die letzte Hauptstadt der Inkas wurde erst 1964 wieder entdeckt und ist zu grossen Teilen unerforscht und unter Regenwald verborgen. Bei unserem langen Rundgang spueren wir wieder diese besondere Atmosphaere und es gehoert nur wenig Fantasie dazu sich vorzustellen wie an dieser strategisch guenstigen Stelle, die Inkas eine letzte Zuflucht vor den Spanier gefunden hatten. Lange Zeit sitzen wir einfach nur da und lassen den Ort auf uns wirken. Nach einer ruhigen Nacht begeben wir uns auf den Rueckmarsch. Und wieder treffen wir auf die Aufgeschlossenheit und Gastfreundschaft der Leute. Wieder schuetteln wir viele Haende und diesmal gelten die Fragen dem woher und wie es uns gefallen habe. In Azul Mayo erwartet uns Knuffi unversehrt.
Zurück nach Cuzco fahren wir ueber Pisac und stuerzen uns in Marktgetuemmel. Michi feilscht hart um eine Schale, die ihm gefaellt. Es ist ein sehr schoenes Einzelstueck, keine Massenware. Schliesslich bekommt er sie zum gewuenschten Preis, der sicher immer noch zu hoch ist, aber fuer uns als Touries in Ordnung geht.
Wir ziehen uns nochmals 2 Tage auf den Campingsplatz Quinta Lala in Cuzco zum Ausruhen zurueck. Unser weiteres Ziel heisst Queswachoca - Puente del Inca, eine der letzten noch intakten Haengebruecken der Inka. Jeder Meter unserer Fahrstrecke laedt zum Fotostopp ein. Die Bruecke aus Pflanzenfasern muss etwa alle zwei Jahre erneuert werden. Michi traut sich bis auf die Mitte, der ueber tiefblauem Wasser des Río Apurímac gespannten Konstruktion. Ich trete schon nach einem Schritt einen schnellen Rueckzug an.
Und schon gilt es unser naechstes Abenteuer zu organisieren. Wir fahren nach Chivay um uns Wanderverpflegung fuer mehrere Tage, einige Ausruestungsgegenstaende und einen Guia zu besorgen. Ziel unserer Wuensche ist der Nevado Ampato! Einen richtigen Gipfel hat dieser Vulkanberg nicht, aber der hoechste Punkt des Kraters liegt bei 6310m. Als alles erledigt und organisiert ist, brechen wir auf in die Pata Pampa. Hier in der Weite bekommen wir, wenn der Wind sich legt, einen Eindruck, was Einsamkeit bzw. Stille wirklich ist! Es ist wunderschoen und wir geniesen es. Zur Akklimatisierung machen wir eine unschwierige Halbtagstour zum Cerro Chuntahuaca. Er ist mit seinen 5076m leicht zu erwandern, nur kurz vorm Gipfel gibt es eine leichte Kletterei, die ohne Gepaeck Spass macht. Als wir „unserem“ Berg gegenueber sitzen beschleichen mich leichte Zweifel. Auf was habe ich mich da eingelassen!? Am naechsten Tag setzen wir noch einmal mit Knuffi um, direkt zum Fusse des Ampato nach Sallalli. Dort leben Felix und Donata seit ueber 10 Jahren mit ihrer Herde aus 260 Lamas, 20 Alpakas und ungezaehlten Schafen in der Einsamkeit. Beide freuen sich ueber unseren Besuch, sind doch Gaeste hier eine Seltenheit. Sie erzaehlen von ihrem schwierigen Hirtenleben und zeigen uns ihre Herde. Gern lassen sich die beiden zur Erinnerung fotografieren.
Am anderen Morgen, einem Sonntag, kommt verabredungsgemäss unser Guia Julio. Wir fahren soweit es moeglich ist an den Berg und auf einem kleinen Parkplatz lassen wir unseren Knuffi zurueck. Mit grossem Rucksack beginnen wir den Aufstieg zum Hochlager. Julio steigt als sicherer Fuehrer vor, ich in der Mitte als schwaechstes Mitglied der Gruppe und Michi bildet die Nachhut. Wir kommen nur langsam aber dafuer stetig voran. Als wir das Hochlager in 5760m erreichen, daemmert es bereits und ein peitschender Wind erschwert den Aufbau der Zelte. Als dies geschafft ist, verkrieche ich mich darin. Waehrend die beiden Maenner unser Abendessen kochen, bereite ich alles fuer die kurze Nacht vor. Ich bin froh, dass wir die dicken Schlafsaecke hier hoch geschleppt haben. 2.30 Uhr ist die Nacht zu Ende. Es faellt mir erstaunlich leicht aufzustehen, aber wegen des starken Windes (und ein wenig aufgeregt bin ich auch) konnte ich sowieso kaum Schlafen. Nach einem kurzen Fruehstueck starten wir zum Gipfelsturm, der sich recht langsam gestaltet. Wir wollen ostwaerts gehen ziemlich direkt zum Kraterrand. Der Weg ueber den Fundort der Gletschermumie Juliana waere zu lang und damit zu anstrengend. Gegen 5 faerbt sich der Horizont rot und die Sonne geht auf. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Und wir muessen innehalten, nicht nur der immer knapper werdenden Luft wegen. Eine knappe Stunde spaeter habe ich meinen Gipfel erreicht! Es geht einfach nicht mehr weiter. Michi findet einen schoenen Stein in der Naehe und wir gedenken in Stille und Liebe meiner Freundin Liselotte, der ich diese Besteigung gewidmet habe. Bei einem Blick auf das GPS stellt Michi fest, wir stehen in 6000 Meter ueber dem Meeresspiegel! Aber weiter geht’s trotz Ruhepause fuer mich nicht mehr. Mit Kopfschmerzen und leichtem Schwindelgefuehl sendet mir mein Koerper deutliche Signale einer beginnenden Hoehenkrankheit. Dagegen gibt es nur ein wirksames Mittel: sofortiger Abstieg. Nach etwa 2Stunden gelangen wir geschafft wieder zum Hoehenlager. Nach einer wohltuenden Ruhepause, packen wir alles zusammen und machen uns auf den Rueckweg zu unserem Auto. Als dieses in Sicht kommt, freue nicht nur ich mich. In Sallalli koennen wir zu unserem grossen Bedauern nicht noch einmal Donata und Felix besuchen. Julio wurde gesagt, dass wir noch am gleichen Tag nach Arequipa fahren und ihn deshalb dort absetzen koennen. Wir hatten hingegen noch 1 oder 2 Tage hier in der Pampa geplant. Aber hier auf ein Auto zu hoffen ist sinnlos und der Weg zur Teerstraße zu weit um es bis Einbruch der Dunkelheit zu schaffen. So machen wir uns auf und gelangen 17.00Uhr zur Asphaltstrasse, aber bis Arequipa ist es dann doch zu weit. Wir klettern die kurvenreiche, gut ausgebaute Strasse (sie scheint sich ewig hinzuziehen) hinab nach Chivay. Zum Abschied gibt uns Julio den Tipp uns doch an die Thermalquellen etwas ausserhalb des Ortes zu stellen. Was wir umgehend tun. Beim Bad im warmen Wasser erholen wir uns schnell von den Strapazen der vergangenen Tage und schon blitzt bei Michi der Gedanke auf: „So schlimm war es doch gar nicht und in Suedamerika soll es ja noch ein paar leicht begehbare nicht ganz so hohe Berge geben“. Ich schiebe diesen Gedanken (erst einmal) weit von mir und geniese nun meine 6000!
Da wir nun einmal hier in der Gegend sind, wollen wir den „Colca – Canyon“ auf der einzigartigen Panoramastrasse befahren. Am Abzweig in den Canyon verlangt man 30 Pesos „(Auslaender)Eintritt“ pro Person von uns. Aber ueber 15€ sind uns zuviel fuer das Befahren einer oeffentlichen Strasse und so verhandelt Michi mal wieder mit Erfolg! Wir fahren fuer den Preis eines Einheimischen (4,20€). Unser Ticket wird aber nirgends kontrolliert. Jede kleine moegliche Flaeche ist mit Terrassen bedeckt. Ueberall gruent und blueht es. Am fruehen Abend erreichen wir „Cruz del Condor“, ein gut ausgebauter Aussichtspunkt, wo es moeglich sein soll diesen Herrscher der Andenluefte ganz nahe zu beobachten. Das Ausmass der Bebauung laesst uns erahnen wie viele Touristen sich hier in der Saison tummeln. Aber im Moment ist nur ein Collektivo mit ein paar jungen Leuten da. Und wirklich nach kurzer Zeit entdecken wir einen Kondor auf einem Felsen und ein zweiter kommt angeschwebt. Wieder versetzt uns die Grazie und Anmut dieser riesigen Voegel in Erstaunen. Bis zur schnell eintretenden Dunkelheit machen uns die zwei die Freude und ziehen ihre Kreise ueber unseren Koepfen. Mit dem ersten Morgengrauen bekommen wir einen Vorgeschmack, was sich in den naechsten Stunden hier abspielen wird. Mit den Bussen und Cammionettas treffen die unzaehligen Souvenirhaendler ein und bauen ihre Staende auf! Wir suchen uns einen nach unserer Meinung guenstigen Foto- und Filmplatz aus noch bevor der Ansturm beginnt. Und dieser setzt vehement und ploetzlich 8.00Uhr ein. Als ob die Kondore dies wuessten schweben die ersten auch schon heran. Meist sind es Jungtiere und wieder nimmt uns die Faszination ganz gefangen. Gegen 9.30Uhr ist das Schauspiel vorbei und wir starten zu einer weiteren Gebirgsfahrt auf der nun einsamen Strasse.
Letztes Ziel in Peru soll der Titicacasee sein. Aber auf dem Weg dahin gibt es einiges zu sehen und zu bestaunen. Erste Station sind die „Petroglyphen von Toro Muerte“. Das ausgedehnte Areal gilt als die umfangreichste Petroglyphengruppe Perus und wurde deshalb zum Kulturerbe der Menschheit erklaert. Immer wieder entdecken wir andere Ritzungen bei unserem Rundgang, aber einige Unholde der Neuzeit konnten es nicht lassen, sich direkt neben bzw. in den Steinzeichnungen, die zT. schon 600 n.Chr. entstanden sein sollen, zu produzieren.
Über Arequipa fahren wir zu den Grabtuermen von Sillustani (ein Zentrum der Colla-Kultur) und von dort sind es nur noch 32km bis nach Puno am Lago Titicaca. Hier werden wir das erste Mal von der peruanischen Polizei kontrolliert. Als wir dem streng blickenden Herrn unsere Ausweis-Kopien, wie immer in solchen Faellen, vorweisen, gibt er sich nicht zufrieden. Er verlangt ein Strafgeld, da wir die Originale vorzuweisen haetten. Nach laengerem Suchen „finde“ ich dann eine internationale Fahrerlaubnis von Michi. Nach eingehender Untersuchung stellt er fest, dass diese echt sei. Das abgelaufene Gueltigkeitsdatum stoert ihn nicht. Wir duerfen mit reichlich Belehrungen und vielen guten Wuenschen fuer unsere Reise versehen, weiter fahren. Eigentlich wollten wir die schwimmenden Inseln besuchen. Wir finden aber weder den Zugang noch einen geeigneten Standplatz. Da uns der Trubel auf dieser Seite zu gross ist beschliessen wir am Ostufer entlang nach Bolivien zu fahren.
Aber auch hier gestaltet es sich schwierig einen Standplatz zu finden, da alles dicht besiedelt ist. Ein Doerfchen reiht sich ans naechste und dazwischen liegen Weiden und Felder und wir sind schon fast an der Grenze. So beschliessen wir uns einfach an das einzige Stueck Strand, das Gemeineigentum eines dieser kleinen Doerfchen zu sein scheint, zu stellen. Vorsichtshalber fragt Michi einen aelteren Herrn der auf einem klapprigen Fahrrad daher kommt. Don Pedro laedt uns ein, zwei Kilometer zurueck nach Japisse zu fahren und vor seinem Haus zu stehen. Wir nehmen die herzliche Einladung gern an. Waehrend er zu uns ins Auto steigt, landet sein Fahrrad auf Knuffis Dach. Don Pedro geniest die kurze Fahrt sichtlich. Schon stehen wir vor dem groessten Haus im Ort. Waehrend ich alles fuer unser Abendbrot vorbereite, will Don Pedro, der Bauer ist, Michi seine Landwirtschaft zeigen. So kommt es das Michi zuerst unter fachgerechter Anleitung Zwiebeln und dann Bohnen erntet, die Kartoffeln sind noch nicht soweit. Im Anschluss treiben die Beiden die Lamas und Schafe in den Stall. Als „Lohn“ erhält Michi Bohnen, Zwiebeln und Kartoffeln im Ueberfluss. Am naechsten Morgen beginnen die Dorfbewohner ihr Tagwerk um 4.30Uhr. Wir schwatzen noch ein wenig mit Don Pedro und seiner Familie, verschenken wieder Fotos und sollen noch mehr Gemuese laden. Aber wir sind doch nur zwei!
Zum Grenzuebergang am Ortsausgang von Tilali sind es nur 11km. Im Ort haelt uns Señor Herman an und fragt, ob wir ueber die Grenze wollen. Er ist der einzige Zollbeamte dort und auf dem Weg zur mittaeglichen Siesta. Er bittet uns um Knuffis Einfuhrpapier und bestaetigt uns auf der Kopie die Ausfuhr. Am eigentlichen Grenzposten treffen wir auf einen Grenzer, der damit beschaeftigt ist seine Waesche zum Trocknen auszubreiten. Knuffis Ausreise wird in einem Buch festgehalten. Unsere Paesse interessieren ihn nicht. Nach 3 Minuten Aufenthalt verlassen wir durch die geoeffnete Schranke Peru.
Was wir in Bolivien erlebt haben, koennt Ihr im naechsten Bericht nachlesen!
!Bis dahin! ¡Hasta luego! Marion und Michael!